Krebs: Handel mit der letzten Hoffnung

Ein Arzt aus Bayern hat ein bizarres Geschäftskonstrukt errichtet, um todkranke Krebspatienten auszunehmen. Ein Einzelfall?

via Focus

Wenn das Telefon im niederländischen Gesundheits-Shop in Winschoten klingelte, zuckte Angela Müller* jedes Mal zusammen. Die attraktive, 53-jährige Angestellte versuchte, sich zu beruhigen, bevor sie das Telefonat entgegennahm. Wer sich bei ihr meldete, wusste Müller, war todkrank. Täglich sprach sie mit Krebskranken im Endstadium – und musste sie täuschen.

„Da riefen Menschen an, die alle Hoffnung aufgegeben hatten“, erinnert sich Müller. „Typischerweise erzählten sie mir ihre lange Leidensgeschich-ten, und dass sie nun wieder Mut schöpfen würden.“ Denn sie wollten die biologischen Wirkstoffe aus dem Gesundheits-Shop kaufen, die angeblich die Krebszellen in Schach halten würden. „Es ging immer nach demselben Muster“, berichtet die Finanzangestellte. „Meist hatten die Anrufer die Nummer von D. aus Bad Aibling.“ Der Krebsarzt hatte ihnen Mittel empfohlen, die ihnen weiterhelfen würden, nachdem die Schulmedizin sie abgeschrieben hatte. Substanzen wie Green Source, Papaya-Enzyme, Hormone wie DHEA oder Thymus-Ampullen aus Kalbsbries. „Arzneien“, so Müller, „deren Namen Hoffnung verbreiten.“

Müller plagte ein zunehmend schlechtes Gewissen, denn sie musste nach eigenen Angaben ein unsauberes Spiel mitspielen. Keiner der Anrufer wusste, dass D. ihr Arbeitgeber war, dass der Gesundheits-Shop nicht neutral war, sondern Teil einer üblen Täuschungsaktion.

Das Geschäft mit der Hoffnung von Todkranken hat D. offenbar perfektioniert. Seit die Staatsanwaltschaft Traunstein gegen den Krebsarzt ermittelt, deutet sich ein neuer Medizinskandal an, der Ärzteschaft und Patienten erschüttert. D. steckt hinter dem Gesundheits-Shop sowie zwei weiteren Firmen, die unwirksame Substanzen zu astronomischen Preisen an verzweifelte Krebspatienten verkaufen. In seiner Praxis in Bad Aibling soll er ihnen eingeredet haben, dass sie mit den Produkten womöglich länger leben. „Diese Substanzen als wirksame Krebskiller auszugeben ist unverantwortlich“, urteilt Jutta Hübner, Chefärztin der Habichtswaldklinik in Kassel und Vorsitzende des Arbeitskreises komplementäre Onkologische Medizin. Sie erforscht alternative Krebstherapien und beobachtet seit Langem die Szene der Komplementärmedizin. Die Substanzen sind ihrer Meinung nach bei Krebs völlig wirkungslos, umstritten oder sogar gefährlich. Einige sind in Deutschland nicht einmal zugelassen.

Eklatant ist ebenfalls, dass sich offenbar zahlreiche Ärzte von D. haben anwerben lassen. Wie ein Krake soll D. nach FOCUS-Recherchen seine Arme nach allen Seiten ausgebreitet und ein Netzwerk von Hunderten Medizinern und Heilpraktikern aufgebaut haben. Sie sollen demnach ihren Patienten Produkte aus D.s Firmen aufgeschwatzt und dafür satte Provisionen von 20 bis 30 Prozent kassiert haben.

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4 Gedanken zu “Krebs: Handel mit der letzten Hoffnung

  1. Der Artikel ist 7 Jahre alt, gibt es in der Angelegenheit etwas neues, Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft oder gar ein Urteil? Oder ist die Pointe hier, dass Klinik, Arztpraxis und auch der Webshop weiter aktiv sind?

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  2. Es ist Humbug, solchen Leuten Aufmerksamkeit zu schenken. Die Krebshypothese der Pharmamedizin ist ein Irrweg, um den Patienten die Symptome zu verkaufen, die sie laut Diagnose bald haben werden. Wer sich keine Angst einjagen lässt und auf die Gifte verzichtet, bleibt symptomfrei.

    Die Aufgabe, die zu „Krebs“ geführt hat, muss bewältigt werden. Wer seinen Körper stresst, darf sich nicht wundern, wenn dieser sich schützt und wehrt. Diese Geschwülste und Metastasen sind die Hilfstruppen, die uns dankenswerterweise geschenkt sind, damit wir Alarmsignale haben und die Körpersprache lernen, die niemals lügt. Das Herausschneiden oder Zerstören der Hilfsmaßnahmen, wirft den Menschen zurück und schwächt ihn massiv.

    QuantiSana: Herausforderung Krebs – Lösungen jenseits der Schulmedizin
    http://www.prmaximus.de/121506
    Alternativen: Im Gesundheitszentrum Bichwil ermitteln die Ärzte unter der Leitung von Dr. med Manfred Doepp individualisiert Methoden und Arzneien, die für einen einzelnen Patienten eine geeignete Krebstherapie darstellen.

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

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  3. Der Mann, um den es hier geht, wird bei der Seite psiram im Artikel zu pro Leben viel ausführlicher und mit Quellenangaben dargestellt als in Focus! Es ist also durchaus möglich selbst nach Informationen zu suchen als in der Presse.

    M. Zellermann, Schleswig Holstein, 21.6.15

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  4. Ich habe eine Frau kennen gelernt, die Krebs hatte und nach Ihrer Aussage mittlerweile wieder vollständig geheilt ist. Nach Ihren Angaben hat sie dies der Frucht GRAVIOLA aus Columbien zu verdanken. Im Netz habe ich mich dann informiert und dieser Frucht, die im Englischen Sour Soup und bei uns auch noch Stinkfrucht heisst, wird nachgesagt, dass sie nur die kranken Zellen bekämpft und die gesunden stärkt. Der Vorteil ist, dass sie gegen alle Entzündungen im Körper wirken soll. Ich habe Gott sei dank keinen Krebs, habe mir aber diese Frucht trotzdem über meinen Früchtehändler (3 Tage Lieferzeit, 50;..€) besorgt und regelmäßig gegessen, denn wenn sie satt macht und vielleicht auch noch gesund ist, ist das ja schon mal gut. Die Frucht hat die Größe einer Wassermelone , Kerne entfernen und dann wie eine Melone essen, oder pürieren , einfrieren oder als Drink. Schmeckt aber irgendwie nach gar nichts. Zusammen mit gesundem Wasser aus meiner Osmoseanlage , einer positiven Lebenseinstellung und dem Verzicht auf jeglichen Alkohol geht es mir trotz meiner nahezu 60 Jahren so gut, dass ich seit über 20 Jahren nicht mehr krank war und keinen Arzt besucht habe. Um jetzt nicht den Eindruck zu erwecken, als Körnerfresser oder Gesundheitsjunkie rüber zu kommen, ich liebe Schweinsbraten, rauche jeden Tag Zigarren und trinke ca 1 Liter Cafe und da ich auf dem Land wohne, wo man den Arsch der Welt zumindest gut sehen kann, laufe ich zuhause und im Garten das ganze Jahr barfuß. Ach ja und bis auf Tätanus habe ich mich gegen oder für nichts impfen lassen.

    Michael aus Oberhaindlfing in Bayern

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